Mittagslunch bei Käfers
Hallo zusammen und zunächst “mea culpa”, dass ich mich erst jetzt wieder einmal melde, doch ich musste mich leider in den letzten Tagen dem Rinnsal widmen, welches durch die sommerliche Grippe bedingt meiner Nase entsprang, sprich ich war mal kurz einige Tage außer Gefecht gesetzt. Doch nun zum eigentlichen Ansinnen meines Posts. Nachdem sich der all mittägliche Appetit wieder eingestellt hat, sind wir dem Aufruf einer lieben Freundin nachgekommen und haben uns am gestrigen Tage zum Mittagslunch bei Käfers begeben. Genau “Der Käfer”, also “Feinkost Käfer” in der Prinzregentenstraße im schönen München. Wo “man sich eben trifft”. Voller Erwartungen habe ich mich also etwas fein gemacht, weil es ja als “unschick” gilt, in einem Etablissment wie dem “Käfers” rumzulaufen, als wolle man David Hasselhoff zu seinen besten Baywatch-Zeiten Konkurrenz machen, nun gut, ich also ins saloppe Sommerhöschen mit Polohemdchen geschwungen und hungrig ab zu Käfers. Da unsere Freundin des öfteren schon bei Käfers dinierte, hat sie wohlwissendlich ob der raren Mittagsplätze für drei Personen reserviert. Leider hatten wir recht schnell den Eindruck, dass das so richtig eigentlich niemand mehr wusste und uns etwas verlegen einfach zu einem freien Platz an einen Vierertisch gesetzt. Nun gut, das mag ja einmal vorkommen – aber bei Käfers? Die Qual der Wahl fiel uns dennoch leicht, da sich wirklich leckere Köstlichkeiten auf der Mittagskarte befanden und so haben die Damen jeweils “Tagliatelle mit Garnelen an einer Safran Soße” bestellt, mich gelüstete eher nach Fleisch und da ja eine meiner Leibspeisen das gute alte “Wiener Schnitzel” ist, orderte ich dieses, um einfach mal zu sehen, wie das denn so bei “Käfers” schmeckt.
Vorausschicken muss ich jedoch noch unsere Getränkebestellung, die dem Ganzen schon einen ersten “Drill” gab, da sich der Garcon irgendwie nicht so richtig allen Beteiligten widmete und sich vermutlich nicht verinnerlichen konnte, dass meine Frau eben nen ganzen Liter Mineralwasser alleine vertilgt, da er nach ihrer Bestellung auf dem Absatz kehrt machte und unsere Freundin ihren Mund wieder schloss ohne ihre Bestellung absetzen zu können. Kurze Zeit später kam jedoch der Gute mit unseren Drinks und Biggi konnte bestellen.
In angemessener Wartezeit vertilgten wir das leckere Vollkornbrot mit Butter und harrten der Dinge die da kommen mögen. Zwischenzeitlich genoss ich meine Beobachten der illustren Gäste die da so bei “Käfers” mal schnell auf ne Nudel zu Mittag gehen, weil vermutlich die manikürten Nägel nicht am heimischen Herd malträtiert werden sollen, oder man vermutlich die Bulthaup-Küche auch nur zum Schein oder des nachbarschaftlichen Wettbewerbs wegen einbauen ließ, wer weiß… Lustig war auch ein vollbärtiger Pubertierender “End-Abiturient” oder vielleicht “Schon-Student” mit “hipper” Hüfthose in Turnschuhen beim Telefonieren mit seinem “Vertu”-Handy anzuschauen, der wohl mit Schwesterherz und “Mama” mit zu Käfers durfte. Vielleicht war’s ja auch der Freund der Kleinen, der eben nur standesgemäß Papas’ Handy ausführen durfte, wenn man bedenkt, dass ein Vertu-Handy mal schlappe 3.000,– bis 4.000,– Euronen verschlingt. Aber ein popliges Nokia tuts der vermeintlichen Oberschicht natürlich schon lange nicht mehr… Köstlich jedenfalls mein Zeitvertreib. Ich glaube ich habe jedenfalls noch nie so viele “Edel-Handtaschen” auf einem Haufen gesehen. Wenn man mal bedenkt, was man mit dem Geld vernünftiges anstellen könnte, aber lassen wir das…
Doch widmen wir uns doch dem eigentliche lukullischen Anlass unseres Besuches. Dem Essen. Wie schon gesagt, kam in angemessener Zeit unser Essen. Die Damen bekamen und jetzt aufgepasst: “Rigatoni mit Garnelen in Safransoße” und eben keine Tagliatelle. Ich bekam, wie bestellt, mein Wiener Schnitzel. Jetzt mag der ein oder andere sagen: “Ja mei, a Nudel is a Nudel” doch weit gefehlt! Wenn ich eben Lust auf Tagliatelle habe, möchte ich vielleicht halt einfach keine Rigatoni. Ok ok es gibt Schlimmeres auf der Welt ganz klar und man mag sich fragen, Gott was hat der denn für Sorgen aber in einem “Käfers” darf so etwas meiner Meinung nach eben nicht passieren. Man bezahlt ja schließlich auch nicht 4,95 fürs Business-Lunch sondern mal kurz stolze 11,– EUR. Kurzum haben sich die Damen natürlich zu Wort gemeldet worauf dann der eigentliche Klopper meines Anstoßes passierte: Unser lustiger Kellner, wenn man ihn bei Käfers als solchen überhaupt bezeichnen darf, meinte nur lapidar “… isch wusste nüscht… Tagliatelle wohl aus…”, worauf sich die fragenden Blicke meiner Begleiterinnen kreuzten und sich fast ihre Gesichtszüge entgleisten und zu recht meinten, dass man das doch vielleicht vorher sagen könne, dass es eben keine Tagliatelle mehr gibt sondern eben “nur noch” Rigatoni. Nebenbei bemerkt sind Rigatoni natürlich auch sehr lecker, wenn sie richtig zubereitet sind. Unser Servicegott entgegnete dann nur “Küsche hat nischt gesagt… soll isch früsch machen? Was unser Entsetzen eigentlich noch verschlimmerte, suggeriert doch diese Frage, dass die ursprünglichen Tagliatelle vermeintlich nicht frisch waren? Meine Mädels entgegneten dann einfach nur “nein danke, bis dahin sind wir verhungert…” und gaben sich natürlich mit den Rigatoni zufrieden die wohl auch recht lecker waren.
Wie auch immer, ist das alles natürlich kein Drama, man erwartet jedoch in einem Käfer Feinkost, dass man darüber im Vorhinein einfach nur informiert wird wenn ein Gericht halt eben aus ist, was ja eigentlich grundsätzlich für ein Restaurant spricht, da wohl die Pasta frisch zubereitet wird. Etwas schade eben. Doch nun zum Wiener Schnitzel.
Da lag es nun, ganz klassisch wie man es kennt, aus Kalbfleisch und meines Wissens eigentlich in Butter ausgebacken, was dem Geschmack nach auch so zubereitet wurde. Doch beim ersten Bissen stellte sich leider bei mir keine Glückseligkeit ein. Das Fleisch war ok, aber eben nur ok und kaum gewürzt. Von “Verliebtheit” beim Koch also keine Spur, vielleicht ja frisch geschieden? Wie auch immer musste ich eben nachwürzen, ok lieber nachwürzen als versalzen, keine Frage, aber eben nicht der kulinarische Hochgenuss, den man, so meine ich immer noch, zumindest für schlappe 18,– Euro erwarten darf. Aber, man sitzt eben bei Käfers und das will bezahlt werden. Der Kartoffelsalat war klassisch angemacht mit Gurken und halt, ja mei, ein Kartoffelsalat. Zu den Preiselbeeren im Glas und der obligatorischen Zitrone äußere ich mich jetzt nicht, was will man dazu auch groß schon erzählen.
Also summa summarum, fand ich jetzt das Mittagslunch bei Käfers ok, aber eben nur ok. Ein kulinarischer Leckerbissen war bei unseren Gerichten jetzt leider nicht dabei und ich bleibe nach wie vor dabei, dass ich mein bestes Wiener Schnitzel bisher beim Kaisergarten bekommen habe.
Zur Ehrenrettung des Tischpersonals muss man sagen, dass die Cappucinis und der Espresso aufs Haus gingen, die uns beim Bezahlen noch angeboten wurden. Das fand ich wiederum galant.
Mein persönliches Highlight folgte jedoch eigentlich erst bei der Begehung von Käfers Feinkostgeschäft. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie bei Käfers im eigentlichen Geschäft war. Ich bereute es jäh, als mir das Eldorado an Köstlichkeiten von Regal zu Regal offeriert wurden. Eine unglaubliche Fülle an wirklich tollsten und seltensten lukullischen Ergüssen werden angeboten, wir mussten in der Fischabteilung uns auch gleich noch ein “Amuse Geul” für den heutigen Mittags- oder Abendtisch mitnehmen, vier Black Tiger Prawns und ein paar Jakobsmuscheln – köstlichst!
Kurzum, mein Fazit:
Der Mittagstisch war ok, aber nicht atemberaubend, der Besuch im Käfers Feinkostgeschäft hingegen schon.

